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Migros zieht sich aus Deutschland zurück

Migros zieht sich aus dem deutschen Markt zurück

Der Schweizer Handelskonzern Migros beendet nach rund 14 Jahren sein Engagement im deutschen Einzelhandel. Die Genossenschaft Migros Zürich verkauft große Teile der Supermarktkette Tegut und zieht sich damit vollständig aus Deutschland zurück. Für viele Beobachter in der Schweiz ist dieser Schritt ein deutliches Signal: Das Unternehmen will seine Kräfte künftig wieder stärker auf den heimischen Markt konzentrieren.

Verkauf der Tegut-Filialen an deutsche Handelsketten

Ein wesentlicher Teil der rund 300 bis 340 Tegut-Märkte soll künftig zum deutschen Handelsriesen Edeka gehören. Beide Unternehmen haben bereits eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Noch muss allerdings das Bundeskartellamt dem Verkauf zustimmen.

Geplant ist, dass etwa 200 Filialen in den Edeka-Verbund integriert werden. Neben den Märkten betrifft der Verkauf auch weitere wichtige Teile der Tegut-Struktur, darunter:

  • das Logistikzentrum in Michelsrombach
  • die Herzberger-Bäckerei
  • die Betreiberstruktur der Teo-Minimärkte

Parallel laufen Gespräche mit weiteren Interessenten. Dabei steht vor allem eine mögliche Übernahme eines weiteren Filialpakets durch den deutschen Handelskonzern Rewe im Raum.

Über 7.000 Beschäftigte betroffen

Die Entscheidung hat große Auswirkungen auf die Beschäftigten. Insgesamt arbeiten bei Tegut rund 7.400 Menschen, unter anderem in den Filialen, im Logistikzentrum sowie in der Unternehmenszentrale im hessischen Fulda.

Während die Arbeitsplätze in vielen Märkten voraussichtlich erhalten bleiben sollen, ist die Zukunft einiger Bereiche noch offen. Besonders für Mitarbeitende in Verwaltung, Logistik oder in der Herzberger-Bäckerei gibt es derzeit noch keine endgültigen Entscheidungen.

Deutschland-Engagement endet mit hohen Verlusten

Für Migros war das Deutschland-Geschäft über viele Jahre hinweg ein schwieriges Kapitel. Seit der Übernahme von Tegut im Jahr 2013 hat sich ein Verlust von bis zu 600 Millionen Euro angesammelt.

Zwar konnten durch Sparmaßnahmen die operativen Verluste zuletzt reduziert werden. Gleichzeitig blieb das Marktumfeld im deutschen Lebensmittelhandel sehr anspruchsvoll. Hoher Preisdruck, starke Konkurrenz und die vergleichsweise kleine Unternehmensgröße machten es Tegut zunehmend schwer, dauerhaft profitabel zu arbeiten.

Der Rückzug wird Migros Zürich auch kurzfristig finanziell belasten. Allein im Jahr 2025 entstehen durch den Verkauf und die Abwicklung Kosten von rund 270 Millionen Euro.

Strategischer Fokus wieder stärker auf die Schweiz

Für Migros bedeutet der Verkauf einen klaren strategischen Neustart. Nach mehr als einem Jahrzehnt im deutschen Markt konzentriert sich der Konzern künftig wieder stärker auf sein Kerngeschäft in der Schweiz.

Aus Sicht vieler Branchenbeobachter zeigt der Schritt auch, wie schwierig der deutsche Lebensmittelmarkt für ausländische Händler sein kann. Große Handelsgruppen wie Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl dominieren den Wettbewerb, während kleinere Anbieter oft unter starkem Preisdruck stehen.

Zukunft von Tegut noch nicht endgültig entschieden

Wie es langfristig mit der Marke Tegut weitergeht, ist derzeit noch offen. Während einige Filialen künftig unter neuen Eigentümern weitergeführt werden sollen, könnten andere Standorte möglicherweise geschlossen oder umgebaut werden.

Die kommenden Monate werden zeigen, welche Lösungen für die verbleibenden Märkte gefunden werden und wie sich der Verkauf konkret auf den deutschen Einzelhandel auswirkt.

Zusammengefast

Mit dem Verkauf von Tegut zieht Migros einen Schlussstrich unter ein ambitioniertes, aber letztlich schwieriges Kapitel im Auslandsgeschäft. Der Rückzug aus Deutschland zeigt, wie hart umkämpft der europäische Lebensmittelhandel ist. Für Migros selbst bedeutet die Entscheidung vor allem eines: mehr Fokus auf den Schweizer Markt und die eigene Kernstrategie.

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